Rückenschmerzen

Rückenschmerzen: Bitte bewegen!

 

Rückenschmerzen: Bitte bewegen!Wenn es im Kreuz sticht, zieht oder dumpf schmerzt, ist Bewegung oft das Letzte, woran man denkt. Denn Schmerz ist ein Warnsignal, auf das viele Menschen reflexartig mit Schonung reagieren. Doch das ist bei Rückenschmerzen nur in wenigen Fällen die beste Reaktion. Im Gegenteil: Sport und gezielte Bewegung können helfen, Rückenschmerzen langfristig in den Griff zu bekommen.

Wer sich regelmäßig bewegt und einen sportlich aktiven Lebensstil pflegt, ist weniger anfällig für Schmerzen des Bewegungsapparates: Speziell bei Rückenschmerzen hat sich Bewegung als die wirkungsvollste Präventionsmaßnahme erwiesen. Denn durch die körperliche Aktivität wird die Muskulatur gedehnt und gekräftigt, die Gelenke werden auf lange Sicht entlastet.

Wer unter Rückenschmerzen leidet, sollte zunächst beim Allgemeinmediziner vorstellig werden, der gegebenenfalls zu einem Facharzt für Physikalische Medizin, für Orthopädie oder zu einem Physiotherapeuten weiter überweist. Bei starken Rückenschmerzen kann eine Haltungsanalyse sinnvoll sein: So lässt sich herausfinden, welche muskulären Dysbalancen konkret vorliegen. Die passende Bewegungsform bzw. Sportart sollte dann ebenfalls mit dem Arzt besprochen werden.

Ob Krafttraining, Aerobic oder Nordic Walking: Entscheidend ist aber weniger die Sportart als vielmehr deren regelmäßige Ausübung. Mit Ausnahmen: Wettkampf- und Leistungssport können erst recht zur Schädigung des Bewegungsapparates führen. Die Wahl des Freizeitsports sollte jeder Mensch individuell auf der Grundlage seiner motorischen Eigenschaften und Fähigkeiten, dem sozialen Umfeld und der finanziellen Situation treffen. Wichtig ist jedenfalls, dass Sport und Bewegung Spaß machen, denn die mental ausgleichende Wirkung der körperlichen Aktivität hat starken Einfluß auf die Schmerzwahrnehmung.

Eine Frage des Wie

Im Prinzip ist bei Rückenschmerz jede Bewegungstherapie geeignet, die stabilisierend und haltungskorrigierend wirkt. Als besonders wirksam erwiesen haben sich die Pilates-Therapie und gezielte Trainingstherapie an Krafttrainingsgeräten. Für Menschen mit klassischen "Bürorückenschmerzen" im Nacken- und Schulterbereich eignen sich unter anderem Nordic Walking, Aquagymnastik und Schwimmen – hier allerdings eher Kraulen und Rückenschwimmen. Brustschwimmen sollte vermieden werden, weil es die Halswirbelsäule stark belastet. Auch Radfahren kann sinnvoll sein, allerdings nur, wenn dabei die Wirbelsäule aufgerichtet ist. Dazu braucht es einen guten Sattel und einen ausreichend hohen Lenker.

Nicht zu viel schonen!

Übertriebenes Schonen als Reaktion auf verspannungsbedingte Rückenschmerzen ist jedenfalls keine gute Idee: Denn durch die Ruhigstellung verliert man rasch an Muskelmasse, mit der Folge, dass die Wirbelgelenke stärker belastet werden. Der anfänglich oft unspezifische Schmerz ohne krankhafte Veränderungen der Wirbelsäule geht durch die degenerative Veränderung der Wirbelgelenke oft in einen spezifischen bzw. chronischen Schmerz über. Außerdem hat der Schmerz auch eine starke psychische Komponente: Häufig führt er zu Rückzug und sozialer Isolation, was die Schmerzempfindung verstärken kann. Im reiferen Alter ist regelmäßiges Training sehr wichtig, weil die Muskulatur durch kurzfristige Ruhigstellungen besonders schnell abgebaut wird. Um den Wettlauf gegen den Muskelschwund zu gewinnen, sollte man daher bis ins hohe Alter Krafttraining durchführen.

Was Bewegung bringt

Die primären Ziele der Bewegungstherapie bei Rückenschmerzen sind die Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur, um die Wirbelsäule zu stabilisieren, die Verbesserung von Körperhaltung und Koordination, die Erhaltung der Beweglichkeit und eine positive Wirkung auf das allgemeine Wohlbefinden. Falsch ist übrigens die Annahme, dass nur große Muskelgruppen eine gute Wirbelsäulenstabilisation bringen: Es gibt Gewichtheber mit massiven Problemen in der Lendenwirbelsäule, weil sie nie gelernt haben, die kleinen, segmentalen Muskeln, die zwischen den einzelnen Wirbelkörpern aufgespannt sind, zu trainieren. Doch genau diese Muskeln machen das Muskelkorsett aus, das die Wirbelsäule trägt und stützt.

Wer seine Rückenschmerzen durch Bewegung den Garaus machen will, sollte also nicht vorrangig die langen, großen Muskeln trainieren, die am Bauch beispielsweise das Six Pack ausmachen, sondern die tiefe Bauchmuskulatur, die sogenannte Transversus-Muskulatur. Darauf kann man dann aufbauen mit dem Training der gesamten Rumpfmuskulatur, der Rückenstrecker, der oberflächlichen Bauchmuskulatur und der Oberschenkelmuskulatur, die auch sehr wichtig ist für die Entlastung der Lendenwirbelsäule.

Bitte keine Selbstmedikation!

Wenn eine krankhafte Veränderung der Wirbelsäule, bei der Bewegung schaden würde, ausgeschlossen werden kann, sollte man sich also nicht zu Hause verkriechen, sondern körperlich aktiv werden. Dafür kann zunächst die Einnahme von Schmerzmitteln notwendig sein, die aber in jedem Fall von einem Arzt verschrieben werden sollten. Leichtfertige Selbstmedikation bei Schmerzen aller Art sollte aufgrund der Nebenwirkungen der Medikamente und dem fehlenden Ausmachen der Schmerzursache unbedingt vermieden werden.

Quelle: netdoctor.at

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