Interessanter Artikel von Helmut Neundlinger im Standard über Frauenfussball in Österreich
Trotz aller Härten überwiegen in den Erzählungen der Spielerinnen Freude und Motivation. Sochor etwa
berichtet begeistert von einem Fanerlebnis, das in dieser Form in Österreich undenkbar wäre. "Als wir in der
Champions League auswärts gegen die späteren Finalistinnen von Turbine Potsdam spielten, wartete ein
deutscher Fan die ganze Nacht vor dem Hotel, nur um von uns Autogramme zu ergattern", erzählt sie stolz.
So konnte sie auch das 0:7-Debakel gegen das übermächtige deutsche Team um Starkickerin und Nike-
Model Fatmire "Lira" Bajramaj leichter verschmerzen. Die 1988 im Kosovo geborene und als Kind nach
Deutschland übersiedelte Bajramaj wird sowohl von Katharina Aufhauser als auch von Sochor auf die Frage
nach einem weiblichen Vorbild genannt. Sie verkörpert derzeit wie kaum eine andere Spielerin den
neuralgischen Punkt, an dem sich der Mädchen- und Frauenfußball international befindet. Der Hype um
Bajramaj verdankt sich der Faszination für ihre brillante Technik im selben Ausmaß wie der Inszenierung
ihres Äußeren. So wie der englische Fußballstar David Beckham zur Ikone der Metro- bzw.
Homosexualisierung des männlichen Körpers gemacht wurde, scheint Bajramaj über ihr Outfit die mediale
Heterosexualisierung des Frauenfußballs einzuleiten. Ob das den Frauenfußball aus seinem Nischendasein
befreien wird, darf bezweifelt werden. Für die Entwicklung nachhaltiger Strukturen sind solche kurzfristigen
Hysterien ohnehin zu wenig.