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Der Sanfte Weg zur Neuen Hüfte

Eine neue Operationsmethode verletzt nur wenig Muskel- und Nervengewebe. Das bedeutet für den Patienten eine rasche Genesung. Nach wenigen Tagen ist selbständiges und schmerzfreies Gehen wieder möglich und der gefürchtete Muskelschwund bleibt aus.

Die Ganze Woche - Gesünder Nr 28/11

Jedes Jahr werden in unserem Land rund sechzehntausend Operationen durchgeführt, bei denen der abgenutzte Knochen der Hüfte und das Knorpelgewebe durch ein künstliches Hüftgelenk ersetzt werden.
Eine neue Operationsmethode verletzt nur wenig Muskel- und Nervengewebe. Das bedeutet für den Patienten eine rasche Genesung. Nach wenigen Tagen ist selbständiges und schmerzfreies Gehen wieder
möglich und der gefürchtete Muskelschwund bleibt aus.

Ludwig Scheiblauer ist glücklich und geht sicheren Schrittes am Gang der Wiener Privatklinik Goldenes Kreuz auf und ab. Nur ein kleines Pflaster nahe der Leiste erinnert den 65jährigen Pensionisten aus Wien daran, dass er erst vor wenigen Tagen auf der linken Seite ein neues Hüftgelenk bekommen hat. „Ich habe keine Schmerzen und die Krücken habe ich gar nicht gebraucht“, sagt er und lächelt zufrieden.
Fünf Jahre dauerte sein Leidensweg. „Eines Tages begann mir die linke Hüfte weh zu tun. Ich habe zuerst versucht, mit Tabletten die Schmerzen zu unterdrücken, dann probierte ich Massagen und Lymphdrainagen aus, doch nichts half. Die Schmerzen wurden immer stärker und ich dachte manchmal, mein Hüftknochen zerbröselt gar, so weht tat er mir.“

Der Zugang zur Hüfte erfolgt von der Vorderseite
Jahre der Belastung hatten die Hüfte von Herrn Scheiblauer stark angegriffen. Der Knorpel war verbraucht und die blanken Knochen rieben aneinander, so dass der Kopf des Oberschenkelhalses einer Kraterlandschaft glich. Für den Orthopäden und Unfallchirurgen Dr. Thomas Müllner, der in Wien und Tulln (NÖ) ordiniert, gab es nur eine Möglichkeit, den Patienten von seinen Schmerzen zu befreien, und zwar mit einem neuen Hüftgelenk. Dabei ging der Chirurg nach einer neuen Methode vor, die für Patienten zahlreiche Vorteile bringt. „Diese minimal invasive Methode für einen Hüftgelenksersatz nennt sich ‚AMIS‘, was sinngemäß bedeutet ‚Zugang zur Hüfte von der Vorderseite‘. Das heißt der Eingriff erfolgt nicht wie bisher von hinten oder seitlich der Hüfte sondern von vorne. So werden viel weniger Muskeln, Nerven oder Blutgefäße zerstört. Der Patient erleidet nur einen geringen Blutverlust und das Risiko der Gewebezerstörung ist beträchtlich vermindert“, erklärt der Hüftspezialist.
Eine spezielle Lagerungsschiene fixiert das Bein Der Eingriff dauert ein bis zwei Stunden und wird in Vollnarkose durchgeführt. Anders als bei den bisherigen Techniken ist bei AMIS die Lagerung des Patienten auf dem OP-Tisch. „Damit der Chirurg beim Zugang von der Vorderseite einen guten Zugriff auf den Schenkelhals hat, wird das Bein auf eine spezielle Lagerungsschiene gelegt. Damit können während des Eingriffs die Hüftpfanne und der Schenkelhals so positioniert werden, dass das alte Gelenk entfernt und das neue, künstliche Hüftgelenk eingesetzt werden können.“ Das erfordert einen besonder sorgfältigen Umgang mit den tiefer liegenden Gewebestrukturen sowie Geschicklichkeit und Erfahrung des Operateurs.
Doch der Aufwand lohnt sich, vor allem für die Patienten, denn der gewebeschonende Eingriff erspart ihnen Heilungsschmerzen. „Ich habe keine Schmerzen. Es fühlt sich höchstens an wie ein starker Muskelkater. Auf einer Schmerzskala von 10 lag ich vor der Operation Operation bei 10. Jetzt ist es bei 0,5. Ich fühle mich keinen Moment unsicher mit meiner neuen Hüftprothese. Ich kann sogar schon Stiegen gehen“, bestätigt Ludwig Scheiblauer mit Freude.
Am Tag nach der Operation verlassen die Patienten ihr Bett
Die unterbliebene Durchtrennung, Einkerbung, Quetschung oder Ablösung von Muskeln und Sehnen, die für das Stehen und Gehen wichtig sind, verhindert ein Hinken wie es sonst nach Hüftoperationen häufig zu beobachten ist.
Das bedeutet, die Patienten sind wieder schnell auf den Beinen, wie Dr. Müllner versichert. „Meine Patienten verlassen schon am Tag nach der Operation das Bett. Sie können selbständig ihre Körperpflege durchführen und die Toilette benützen und können nach wenigen Tagen schmerzfrei gehen. In der Regel ist nach ein oder zwei Wochen das Autofahren wieder möglich, und Berufstätige, die in einem Büro beschäftigt sind, treten meist nach drei bis vier Wochen ihre Arbeit wieder an. All das verhindert den gefürchteten Muskelschwund.“
Die Dauer der notwendigen Heilgymnastik und eine eventuelle Gangschulung aufgrund einer schon vor der Operation bestehenden Gangbildstörung fällt deutlich kürzer aus. Je nach Alter und körperlicher Verfassung verlassen die Patienten nach drei bis sieben Tagen wieder das Spital.
Sportliche Patienten können sich nach dem Abheilen der Hüfte wieder ihrem Hobby widmen. Wandern, Nordic Walking, Schiwmmen sind für weniger Sportliche mit neuer Hüfte geeignet. Wer allerdings vor der Operation kein Tennis oder Fußball spielte, sollte danach auch nicht beginnen.
In manchen Fällen ist die AMIS-Methode nicht geeignet
Dr. Müllner operiert bereits 95 Prozent seiner Patienten nach der neuen Methode, die auch in anderen Spitälern angeboten wird. Nur manchmal muss der Chirurg wieder auf den konventionellen Eingriff von hinten oder seitlich zurückgreifen. „Wenn der Patient schwere oder angeborene Fehlstellungen an der Hüfte hat, ist die AMIS-Methode nicht anwendbar. Dazu zählt zum Beispiel ein fehlender oder besonders kurzer Schenkelhals.“ Ebenso können eine stark fortgeschrittene Osteoporose sowie bereits durchgeführte Operationen an der Hüfte gegen den sanften Weg der Hüftoperaiton sprechen.
Für Ludwig Scheiblauer beginnt ein neuer, schmerzfreier Lebensabschnitt. Seinen operierten Fuß muss er in den nächsten Wochen noch schonend einsetzen, doch für die Zukunft hat er viel vor. „Ich freue mich aufs Wandern, das ich immer schon gerne gemacht hat. Radfahren will ich auch wieder beginnen, und Schwimmen gehe ich auch bald.“ Dr. Thomas Müllner, hat gegen diese Pläne nichts einzuwenden.


Weitere Informationen: Univ.-Doz. Dr. Thomas Müllner, Facharzt für Unfallchirurgie, Facharzt für Orthopädie, www.knieweh.at

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