Das Kniegelenk

Kniegelenksluxation

Akute Kniegelenksluxation

Behandlungsstrategie an der Orthopädischen Universitätsklinik Oslo

Einleitung:

Die Orthopädische Universitätsklinik Oslo ist ein Level I Trauma Center. Durch diesen Umstand, weiters durch verbesserte Diagnostikmöglichkeiten in den umliegenden Krankenhäusern und ein aggressiveres Behandlungsregimen seit 1986 an der Orthopädische Universitätsklinik Oslo wird klar, warum in den vergangenen Jahren vermehrt Patienten mit Knieluxationen zutransferiert worden sind. Ziel dieser Arbeit ist es das Behandlungsregimen bei Knieluxationen zu erläutern und die ersten 46 Patienten, die seit 1. Mai 1996 mit dieser Diagnose behandelt wurden, vorzustellen.

Material und Methode:

Im Zeitraum 1. Mai 1996 und 1. Juli 2000 wurden 46 Patienten mit 47 Knieluxationen behandelt. Alle Patienten waren vor dem Unfall entweder als Studenten oder im Berufsleben aktiv und übten Sport auf einem hohen funktionellen Niveau aus. 50 % der Knieluxationen wurden durch Verkehrsunfälle verursacht, der überwiegende Teil der Patienten waren Motorradfahrer (Abb.1).

Die restlichen Unfälle passierten bei der Ausübung von Sport wie z.B. Skispringen, Ringen, oder Wasserski. Bei zwei Patienten trat eine Verletzung der Arteria poplitea auf (4.3%). 4 Patienten hatten bei der Einlieferung eine komplette Peronaeusparese (8.6%). Bei 4 weiteren Patienten bestand eine inkomplette Peronaeusparese (8.6%). Gefäß- Nervenläsionen traten somit in 21.7% auf. Bei einem Patient kam es zu einer Ruptur der Patellarsehne, bei einem Patienten zu einer Patellaluxation. Nach der initialen klinischen Untersuchung bei der Erstaufnahme wurden Röntgenbilder angefertigt. Besonderes Augenmerk wurde auf die Gefäßsituation gelegt. Bei tastbarem Puls der A. dorsalis pedis sowie A. tibialis posterior wurde auf eine weitere Untersuchung im Sinne einer Angiographie verzichtet. Letztere wurde durchgeführt, falls es den Verdacht auf eine Verletzung der A. poplitea gab (Abb.2).

Bei entsprechender Verletzung erfolgte ein gefäßchirurgischer Eingriff. In den anderen Fällen erfolgte die Ruhigstellung mit einer Schiene,  geringe Subluxationen wurden dabei toleriert. Es folgte eine MRI Untersuchung und während des stationären Aufenthalts die Mobilisierung auf der Motorschiene 2 mal 2 Stunden. Während der ersten Tage wurde der Gefäßstatus sorgfältig überwacht.

Nach 7-10 Tagen erfolgte die arthroskopische Rekonstruktion von vorderem und hinterem Kreuzbandmittels Autograft oder Allograft. Offen wurde das mediale oder das posterolaterale Kompartment rekonstruiert (Abb. 3, 4)

Ergebnisse:

 

Es kam zu keinerlei schweren Komplikationen während oder nach der Operation. Eine postoperative Infektion konnte unter antibiotischer Gabe zur Ausheilung gebracht werden. Zwei Patienten wurden ein zweitesmal zur Gelenksmobilisierung arthroskopiert. Alle Patienten sind wieder in ihre Arbeit integriert. Ein Großteil mußte seine sportliche Aktivität reduzieren. (Abb.5)

Schlußfolgerung

Das an der Orthopädische Universitätsklinik Oslo entworfene Behandlungsregimen für Patienten mit Knieluxation ist bislang nur mit einer geringen Komplikationsrate behaftet und ist aus unserer Sicht bei Operabilität des Patienten der konservativen Behandlung vorzuziehen.

Legende

  • Abbildung 1: Offene Kniegelenksluxationsfraktur (durch VU verursacht)
  • Abbildung 2: Angiographie ohne Hinweis auf Läsion in der A. poplitea
  • Abbildung 3: „Leere Fossa intercondylaris“ vor der Rekonstruktion der Kreuzbänder
  • Abbildung 4: Offene Rekonstruktion der lateralen Stabilisatoren
  • Abbildung 5: Patient (war qualifiziert für Sydney) wurde beim Ringen durch Gegner am rechten Knie verletzt (ACL-PCL-LCM), nach 10 Tagen versorgt, und nach ca. 6 Monaten gute Fortschritte beim Training (130kg).

Bilder

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