Das Kniegelenk

Kreuzbandverletzungen

(Op Videos am Seitenende)

Das vordere Kreuzband

 

FUNKTION UND ANATOMIE DES VORDEREN KREUZBANDES

 

Wo liegen das vordere und das hintere Kreuzband?

 

Die Kreuzbänder verlaufen in der Mitte des Kniegelenkes zwischen Ober- und Unterschenkelknochen, wo sie sich überkreuzen. Beide Kreuzbänder bestehen aus jeweils 2 Bündeln. Das vordere Kreuzband besteht aus dem anteromedialen und dem posterolateralen Bündel. Wichtig ist das deshalb, weil die Bündel eine unterschiedliche Funktion – je nach Kniegelenksbeugung - haben. Während sich das posterolaterale Bündel des vorderen Kreuzbands eher in der Streckung anspannt, spannt sich das anteromediale Bündel eher in der Beugung an. In neuen Op-Techniken wird darauf Rücksicht genommen und jeweils beide Bündel getrennt rekonstruiert.

Mit zunehmender Beugung kommt es zu einer Verdrehung der beiden Bündel (Steckung links -> Beugung bis 130°)

Die Blutversorgung des vorderen Kreuzbandes wird vor allem durch die mittlere Kniegelenksarterie gewährleistet. Ein zentrales Areal im vorderen Kreuzband ist von der Gefäß-versorgung so gut wie ausgeschlossen ist.

Was machen die Kreuzbänder?


Kreuzbänder bilden den zentralen Stabilisator des Kniegelenkes. Sie bewirken die mechanische Stabilität des Kniegelenkes in der Vor- / Zurückbewegung sowie durch ihre Verdrillung eine Drehstabilität. Versucht man, den Unterschenkel gegen den Oberschenkel nach vorne zu ziehen, so spannt das vordere Kreuzband an. Fehlt es, nennt man die unnatürliche Beweglichkeit des Unterschenkels nach vorne „vordere Schublade“. Bei der frischen Verletzung ist aber der sogenannte Lachman Test aussagekräftiger.

Umgekehrt funktioniert es beim hinteren Kreuzband, dies spannt sich an, wenn man den Unterschenkel nach hinten drückt. Wenn es fehlt, nennt man die Beweglichkeit des Unterschenkels nach hinten „hintere Schublade“. Dreht man den Unterschenkel einwärts, spannt sich das Außenband an, dreht man ihn auswärts, hält das Innenband. Die Kreuzbänder bilden dabei die Achse der Drehbewegung. Bei Einwertsdrehung (Innenrotation) des Unterschenkels verdrillen sich die Kreuzbänder und limitieren diese Bewegung. Solange die Kreuzbänder intakt sind und die zentrale Achse der Rotation bilden, vermitteln sie dem Kniegelenk die sogenannte „Rotationsstabilität“ Fehlt eines der Kreuzbänder, ist die Drehachse nicht mehr in der Kniemitte, so dass es zu Schiebebewegungen mit vermehrter Belastung und Schädigung von Knorpel und Meniskus kommt. Es kommt dabei zu einer Subluxation des Schienbeins in Relation zum Oberschenkel. Getestet wird diese Instabilität anhand des sogenannten Pivot Shift Test. (Videos von Dr. Robert de La Prade, PhD)

Eine weitere, wichtige Funktion der Bänder ist die sogenannte Propriozeption, die bei vermehrter Anspannung über Reflexe Hilfsmuskeln aktiviert und damit das Knie vor Verletzungen schützt. Die Innervation erfolgt durch den hinteren Gelenksast des Nervus tibialis posterior. Kleine myelinisierte und unmyelinisierte Nerven liegen unterhalb der Synovia und im periligamentären Gewebe.

 

Freie Nervenenden: Schmerz

Ruffini Rezeptor: empfindlich auf Dehnung

Vater-Pacini Rezeptor: empfindlich für rasche Bewegung

Golgi-like Rezeptor

 

 

Die Propriozeption ist mit einem Kreuzbandersatz sowie meistens auch nach Naht nicht mehr möglich, da Nerven und Tastsensoren nicht nachwachsen. Ihre Funktion kann jedoch durch entsprechendes Training von anderen Rezeptoren übernommen werden.
 

Biomechanik des vorderen Kreuzbandes

  • Zugfestigkeit: 2160 (157) N
  • Steifigkeit: 242 (28) N/mm
  • Hält 87 % der aufgebrachten Kraft bei 30° Kniebeugung
    (Woo et al Am J Sports Med 1991, Butler et al J Bone Joint Surg 1980)

UNFALLMECHANISMUS

Meist reißt das vordere Kreuzband bei einem Außenrotations –Valgisationstrauma: das heißt, dass der Unterschenkel außenrotiert und im Knie eine X-Beinfehlstellung vorliegt zB beim Verkanten des Skis. Oft kommt es aber auch zu einem Überstrecktrauma.

Oft ist die Gewalt der Verletzung so gross, dass es die Hinterkante des Schienbeins in den Oberschenkelknochen hineingedrückt wird (Pfeil). Im schlimmsten Fall kann es dabei zu einer Knieluxation kommen.

WARUM WERDEN KREUZBÄNDER OPERIERT

Das vordere Kreuzband ist der zentrale Stabilisator des Kniegelenkes. Ohne vorderes Kreuzband ist das Kniegelenk in strecknaher Stellung nicht ausreichend stabil, sodass Drehbewegungen (z.B. bei fixiertem rechten Fuss nach links) zum unwillkürlichen Abknicken des Unterschenkels führen („giving-way“-Phänomen). Man hat dann das Gefühl, dass das Knie „auslässt“. Ohne Kreuzband kann das Knie in gewissen Grenzen muskulär stabilisiert werden. Das Knie ist allerdings für sehr viele Sportarten, insbesondere für Ball- und Mannschaftssport, nicht sportfähig, Bewegungen in einer Richtung, wie sie beim Radfahren oder Rudern auftreten, sind hingegen ohne Einschränkung möglich.
 

Wann sollte operiert werden?

Wenn das vordere Kreuzband reißt, so hat eine nicht unerhebliche Kraft auf das Knie gewirkt. Dies führt auch zu Kapselverletzungen, häufig sind Innenbandverletzungen und Meniskuseinrisse. Sehr oft kommt es zu Einblutungen ins Knie („Hämarthros“). Wenn man ein neues Kreuzband implantieren will, so sollte dies entweder rasch nach dem Unfall oder ca. 3 - 8 Wochen nach dem Unfall passieren, wenn das Knie abgeschwollen, schmerzfrei und frei beweglich ist, um Verklebungen nach der Operation („Arthrofibrose“) zu vermeiden. Wenn das Knie stark geschwollen ist, sollte der blutige Erguss abpunktiert werden. Als Richtlinie kann gelten, dass punktiert werden soll, wenn aufgrund der Schwellung keine 90° Beugung erreicht werden. Bei Belastungsschmerzen ist es sinnvoll, Unterarmstützkrücken zu verwenden (Belastung zB. 50% Körpergewicht). Ruhigstellende Verbände sind nicht nötig, Sinnvoll ist eine begleitende physikalische Therapie, abschwellende Massnahmen, und auch Medikamente (wie z.B. Voltaren® 50 mg bis zu 3 x 1 mit Magenschutz), die nicht nur gegen Schmerzen sondern auch gegen die Entzündungsreaktion und damit gegen die Schwellung helfen.

Bei Innenbandrissen ist für 6 Wochen Tag und Nacht eine bewegliche Schiene notwendig, um eine Abheilung der Verletzung zu ermöglichen. Die Schiene sollte die vollständige Kniestreckung um ca. 10° behindern. Eine Innenbandnaht ist meist nicht erforderlich.

Was kommt auf mich zu, wenn ich mein Kreuzband ersetzen lasse?

Die Operation findet stationär in einer meiner Kliniken statt und erfordert nach der Operation einen Aufenthalt von bis zu 3 Tagen. Nach der Operation darf das Bein sofort mit 50% Körpergewicht belastet werden. Je nach Operationsbefund wird eventuell eine Schiene angepasst (bewegliche Knieschiene = Knie-Orthese).

Im Idealfall wurde bereits der Kontakt mit der physikalischen Therapie vor der Operation hergestellt, sodass bereits Termine für die Therapie postoperativ vereinbart worden sind. Neben der krankengymnastische Mobilisierung des Kniegelenkes, dem Muskelaufbau, und dem propriozeptiven Training, helfen Lymphdrainage und Medikamente in der ertsen postoperativen Phase. Die Belastung des Kniegelenkes wird nach der OP langsam gesteigert, abhängig von Schwellung und Ergussbildung. 

Um der Gefahr einer Blutgerinselbildung in einer Vene (=Thrombose) vorzubeugen, ist die Verwendung von einem Antithrombosemittel (z.B. Lovenox® 40mg) unbedingt notwendig. Die Dauer ist abhängig von Schwellung, Ergussbildung, postoperativer Mobilisierbarkeit und persönlichen Faktoren. Mann kann aber mit ca. 14 Tagen rechnen. 

Die Arbeitsunfähigkeit beträgt – je nach individuellem Verlauf - ca. 2 - 3 Wochen für Bürotätigkeiten, bei manueller Tätigkeit länger.

Was passiert, wenn keine Operation erfolgt?

Nachdem die ersten Verletzungsfolgen abgeklungen sind, geht es dem Knie und dem Patienten zumeist wieder gut. Einige Patienten verspüren ein leichtes Unsicherheitsgefühl und haben Angst, ihren Sport wie gewohnt aufzunehmen; einige Knie sind sogar derart instabil, dass sie in alltäglichen Situationen wegknicken („giving-way“). Viele Verletzte jedoch befinden sich in einem „beschwerdefreien Intervall“. Sie kehren mit der Zeit zur normalen Alltagsaktivität zurück oder treiben sogar wie gewohnt Sport. Trotz aller subjektiven Beschwerdefreiheit gibt es aber kleine, fehlerhafte Dreh-Gleit-Bewegungen im Knie, die auf das fehlende Kreuzband zurückzuführen sind, und trotz subjektiver Stabilität zu schweren Schäden an Meniskus und Knorpelsubstanz führen (Mikroinstabilität). Letztendlich kommt es auch bei den zunächst beschwerdefreien Verletzten beim Sport oder im Alltag zum unwillkürlichen Wegknicken des Unterschenkels(„giving-way“). Auch wenn dies nach einigen Malen nicht mehr stark schmerzt, ist dies doch jedes Mal eine schwere Knieverletzung mit Auslockerung des Kapsel-Band-Apparates und eventuell Meniskus- oder Knorpelschaden. Es ist zur Makroinstabilität gekommen. Das beschwerdefreie Intervall ist vorbei. Spätestens mit dem Meniskusschaden ist der Startschuss zur Arthrose des Kniegelenkes gefallen. Wie auf diesem Bild zu sehen, ist es zu einer instabilitätsbedingten Arthrose des Kniegelenks gekommen - ein Umstand, der durch eine rechtzeitige Operation vermieden hätte werden können.

METHODEN DES KREUZBANDERSATZES UND DER REKONSTRUKTION

Naht des Kreuzbandes

Die Naht des Kreuzbandes ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Sie hat deutlich schlechtere Ergebnisseals der Kreuzbandersatz. Sinnvoll ist die Kreuzbandnaht bei knöchernem Ausrissen, wenn sie schnell nach dem Unfall durchgeführt wird und das Kreuzband noch nicht geschrumpft ist und in wenigen Fällen bei Kindern.

Kreuzbandprothesen

Die Kunststoff- und Kohlefaserprothesen waren in den 80ern die Hoffnung der Kreuzbandchirurgie, da kein Verlust körpereigener Sehnen erforderlich war. In der Folge haben aber fast alle Knie mit Reizerscheinungen(„Kunststoffarthritis“) und Einheilungsstörungen reagiert, was in den meisten Fällen die Entnahme der Bandprothese erforderlich machte. Die Kreuzbandprothese ist - nach dem momentanen Stand der Entwicklung - gescheitert.

Patellarsehne

Bei der Patellarsehnenplastik entnimmt man meist das mittlere Drittel der Kniescheibensehne. An den Enden des Sehnenstückes lässt man kleine Knochensblöcke stehen, je eines vom Schienbeinansatz und von der Kniescheibe. Die Schnittführung reicht - je nach Technik – von der kompletten Knieeröffnung bis zur arthroskopisch assistierten Operation mit Endo-Button und zwei kurzen Schnitten an Kniescheibe und Schienbein. Im Vergleich zum originalen Kreuzband ist die Patellarsehne relativ starr. Der Streckapparat reagiert auf die Schwächung der Sehne um ein Drittel häufiger mit chronischen Reizzuständen oder Verkürzung der verbliebenen Patellarsehne. Vorteilhaft sind die Knochenblöcke, die bei korrekter Verankerung im Ober- und Unterschenkelknochen eine schnelle und feste Knochen-zu-Knochen-Heilung ermöglichen. Der Kreuzbandersatz mit Patellarsehne dient als bewährtes Reserveverfahren, bzw. bei medialer Instabilität.

VORTEILE DER SEMITENDINOSUS- UND DER GRACILISSEHNE ALS KREUZBANDERSATZ

Die Semitendinosus-  Gracilissehnen werden von mir seit 1999 für den vorderen Kreuzbandersatz bevorzugt verwendet. Seit 1999 als vierfach Implantat. Zunächst mit der gelenksfernen femoralen Fixation mittels Transfix® oder Rigid Fix® bis 2002, dann mit der gelenksnahen Fixation mittels Bio Interferenzschrauben. Der Vorteil dieser Fixationstechnik ist, dass alle 4 Sehnenschenkel optimal vorgespannt werden können und sich die Krafteinleitung später im Knie gleichmäßig auf alle Schenkel verteilen kann. Zusätzlich kommt es bei der gelenksnahen Fixation nicht zu dem sogenannten Bungee Effekt, der selbst bei geringer Belastung Bewegungen im Tunnel von einigen Millimetern bedeutet. Zusätzlich ist die Ausweitung des Bohrkanals – bekannt auch als Scheibenwischereffekt reduziert.

Dieses Sehnenimplantat ist – vierfach oder 6-fach gelegt und gleichmäßig angespannt - das stärkste zur Verfügung stehende körpereigene Transplantat und hat eine extrem hohe Gesamtbelastbarkeit von über 4000 N (eigene biomechanische Untersuchungen), was besonders für Leistungssportler von Bedeutung ist.

Auch von Seiten der Steifigkeit ist das Semitendinosus-Gracilissehnentransplantat der Patellarsehne überlegen, da es weniger steif ist und so dem originale Kreuzband näher kommt. Seit 2002 wurden von mir ca. 380 Patienten mit dieser Technik versorgt.

Implantatwahl für den vorderen Kreuzbandersatz

Die Semitendinosussehne hat für den vorderen Kreuzbandersatz eine Reihe von Vorteilen: Es entsteht bei ihrer Entnahme kein zusätzliches Trauma für den Streckapparat des Kniegelenkes. Die Sehnenentnahme wird daher von den Patienten gut toleriert und es kommt nicht zu der von der Patellarsehne bekannten Entnahme-Defekt-Arthropathie. Die postoperative Rehabilitation gestaltet sich daher in der Regel problemarm. Das Sehnenimplantat besteht aus multiplen Strängen, was für eine Stabilisierung des Kniegelenkes über den gesamten Bewegungsumfang von Vorteil ist (Allen CR, Woo SL et al. 1999). Das kosmetische Ergebnis ist überzeugend. Die Semitendinosussehne kann auch bei jungen Patienten mit noch offenen Wachstumsfugen verwendet werden. 

Beschwerden nach der Operation

Der entscheidende Vorteil der Semitendinosussehne liegt darin, dass die Patienten weniger Schmerzen haben. Durch die Entnahme der Sehne entstehen kaum Beschwerden und der Verlust der Sehne wird nicht beklagt. Die Operationstechnik erfordert nur minimale Hautschnitte, so dass die Weichteile nicht sehr verletzt werden. Dies ist vor allem für die krankengymnastische und sportliche Rehabilitation wichtig. Auch Spätbeschwerden, wie Gelenkversteifung durch Vernarbung oder chronische Knieschmerzen, treten seltener auf als bei Eingriffen, bei denen das Kniegelenk eröffnet wird. Der Streckapparat und die Kniescheibensehne werden nicht beeinträchtigt, so dass hier Funktionsverluste oder Schmerzzustände insbesondere beim Knien nicht auftreten. Der Semitendinosus-Muskel verliert zwar seine Funktion, wird aber durch benachbarte Muskeln, die einen ähnlichen Verlauf haben, in seiner Funktion ersetzt.

Nur ein kleiner Einschnitt...

Bei der Operation benötigen wir zwei kleine Einstiche für die Arthroskopie auf der Innen- und Außenseite der Kniescheibensehne, sowie einen ca. 2 langen Schnitt auf der Innenseite der Schienbeinvorderkante für die Sehnenentnahme und die Bohrkanäle. Diese werden mit Hautnähten oder Wundklammern verschlossen. Im Vergleich zu anderen Operationsverfahren, die mehr Einschnitte oder sogar die Eröffnung des Kniegelenkeserfordern, bietet die Semitendinosus-Technik ein kosmetisch überzeugendes Ergebnis mit geringen Beschwerden nach der Operation und eine komplikationsarme Nachbehandlung und Rehabilitation.

ABLAUF DER OPERATION

Arthroskopie

Zunächst wird das Kniegelenk arthroskopisch untersucht und das vordere Kreuzband noch einmal geprüft. Begleitende Verletzungen wie Meniskus und Knorpelschäden werden ggf. arthroskopisch behandelt.

Entnahme der Sehne

Die Semitendinosus und Gracilissehnen werden durch einem ca. 2cm langen Schnitt etwas mittwärts der Schienbeinvorderkante an ihrem Ansatz dargestellt und abgelöst. Mit einem Ringmesser an einem langen Stab werden die Sehnen im Oberschenkel vom Muskelgewebe gelöst.

Vorbereiten des Gelenkes

Das Gelenk wird arthroskopisch für die Aufnahme des neuen Kreuzbandes vorbereitet. Das alte Kreuzband wird so weit wie möglich belassen, es umhüllt und versorgt das Sehnenimplantat mit Nährstoffen sowie Blutgefäßen und dient als Schutz gegen die Gelenkflüssigkeit. Für das neue Kreuzband werden über den Schnitt an der Schienbeinvorderkante Bohrungen angebracht, in denen das Implantat verankert werden soll. Ihr Durchmesser entspricht dem des Implantates.

Präparation des Implantates aus der Sehne

Die beiden Sehnen werden je nach Länge vier- fünf-oder sechsfach gelegt und vernäht und erlangen so eine Länge von ca. 9 cm sowie einen Durchmesser von 8,0 bis 10,0 mm. Bei der von mir angewandten Nahttechnik entstehen auf der körperfernen Unterschenkelseite zweifreie Schlaufen, die bei der Fixierung getrennt angespannt werden, um das natürliche Verhalten eines Kreuzbandes nachzuahmen. Dieses besteht ebenfalls aus verschiedenen Faserbündeln, die sich bei unterschiedlichen Beugegraden unterschiedlich anspannen.

Einsetzen und Fixieren des Implantates

Das neue Kreuzband wird durch die Bohrkanäle in das Knie eingezogen. Die Fixation erfolgt mit Schrauben. Damit ist eine sichere Fixation gegeben. Die Schrauben müssen nicht entfernt werden, da es sich dabei um sogenannte „resorbierbare“ Schrauben handelt. Diese Schrauben bestehen aus Derivaten der Milchsäure.

NACHBEHANDLUNG UND AKTIVTÄT

Das neue Kreuzband wird in Knochenkanälen verankert. Es dauert ca. 8 bis 10 Wochen, bis eine feste Verbindung zwischen Kreuzband und Knochen entstanden ist. Entsprechend sollten Sie vorsichtig sein und das Nachbehandlungsschema sorgfältig beachten. In der 1. postoperativen Woche benötigt das Knie viel Ruhe, um sich von dem Eingriff zu erholen. Sie dürfen am 1. postoperativen Tag mit Stützkrücken unter Teilbelastung des Beines aufstehen. Dabei sollten Sie das operierte Bein schmerzabhängig belasten. Wenn möglich dürfen Sie das Bein zunehmend bis zu 50 % des Körpergewichts belasten. Nach ca. 3 Wochen ist „Vollbelastung“ erlaubt. Bei der Vollbelastung handelt es sich um eine Krankengymnastische Übung, um die Muskulatur möglichst kräftig zu erhalten. Sie sollen hierbei vorsichtig sein und nur auf ebenem Untergrund und unter Anspannung der Muskulatur gehen. Auf unebenem Gelände und in unübersichtlichen Situationen benutzen Sie bitte weiter die Gehstützen. Beim Stehen sollten Sie die „Ski-Abfahrtshaltung“beachten (Knie leicht gebeugt, Oberkörper vorgeneigt). Dies ist eine gute Stellung zum Schutz Ihres neuen Kreuzbandes und zur Kräftigung Ihrer Oberschenkelmuskulatur. Für mehr Komfort und zum Schutz der Kreuzbandeinheilung erhalten Sie eineKnieführungsschiene.

Bewegungsübungen

Bewegungsübungen werden unter krankengymnastischer Anleitung ab dem 1. Tag nach der Operation durchgeführt. Hierbei wird die Streckung und die Beugung schrittweise erarbeitet. Wichtig ist, dass Beugeübungen nicht forciert werden, solange noch ein Erguss im Knie ist. Unter Anleitung machen Sie die Übungen. Merken Sie sich bitte das Übungsprogramm. Dieselben Übungen sollen Sie zu Hause selbständig dreimal täglich durchführen. Übungen wie das Training auf dem Heimfahrrad erfolgen immer ohne Knieschiene, da es sich um geführte Bewegungen handelt. In den ersten 8 Wochen nach der Operation ist die Bewegungstherapie im Rahmen krankengymnastischer Übungen völlig ausreichend reizfrei ist, wird eine ambulante Rehabilitation verordnet; in der Regel ca. 20 Therapieeinheiten (2 -3 pro Woche).´

Derotationsschiene(Brace, Orthese, Knieführungsschiene)

Falls erforderlich, tragen Sie die Derotationsknieschiene bitte bis zur 6. Woche postoperativ tagsüber. Nachts können Sie die Mecron-Schiene benutzen. Nach der 6. Woche bis einschließlich 3. Monat reicht es, wenn Sie bei Bedarf die Derotationsschiene tagsüber tragen. Auch wenn ohne Schiene nachbehandelt wird: Die Bewegungsübungen sollten postoperativ auf 0/120 Grad und nach der 6. Woche ohne Begrenzung gesteigert werden. 3 Monate nach der Operation sollte eine volle Streckung im Kniegelenk möglich sein.

Muskeltraining

Auf keinen Fall soll Ihr Gelenk in den ersten 10Wochen zwischen 30 und 0 Grad gegen Widerstand in die volle Streckung gebracht werden. Übungen auf einem isokinetischen Trainingsgerät sind auf DAUER nicht erlaubt. Es besteht die Gefahr, dass ihr neues Kreuzband durch die Wechselbelastungen wieder locker wird.

Sport

Ab der 4. postoperativen Woche sind Übungenauf dem Heimfahrrad erlaubt. Das Knie muss allerdings ausreichend schlank sein.

Ab der 8. Woche nach der Operation ist Radfahren erlaubt. Seien Sie aber vorsichtig beim Auf- und Absteigen.

Nach 12 Wochen nehmen wir an, dass das neue Kreuzband ausreichend sicher im Knochen verheilt ist. Ab diesem Zeitpunkt wird die Sport-Rehabilitation forciert. Belastungssteigerungen sind jetztabhängig von den individuellen Fähigkeiten der Patienten hinsichtlich Kraft und Koordination.
Mit Lauftraining darf ab dem 4. Monat nach der OP auf weichem Boden begonnen werden, wenn sich Ihr Physiotherapeut davon überzeugt hat, dass Sie muskulär und koordinativ Ihr Knie ausreichend stabilisieren können. Im Zweifel sind Fahrradfahren oder andere geführte Bewegungen immer besser.

Stopp- & Go- sowie Kontakt-Sportarten sollten erst aufgenommen werden, wenn Ihr Sportphysiotherapeut„grünes Licht“ gegeben hat. Er muss sich selbst davon überzeugt haben, dass Sie koordinativ und muskulär ausreichend fit sind, um Ihren Sport ohne Gefahr für das Kniegelenk auszuüben. Hier gibt es bei den Patienten große Unterschiede. Einige sind bereits nach ca. 4 Monaten sicher. Andere brauche nein ganzes Jahr, um ihren Sport wieder ausüben zu können.

Nachsorge

Ich führe Kontrolluntersuchungen nach 2, 6 Wochen, 3, 6 und 12 Monaten durch. Dabei kann ich die Stabilität überprüfen sowie ggf. Probleme bei der Nachbehandlung rechtzeitig erkennen.

Probleme

Wenn Sie über eine längere Zeit nach der Operation noch Ergussbildungen haben oder das Strecken im Kniegelenk erschwert ist oder „Knack“-Geräusche im Knie auftreten, kommen Sie bitte rechtzeitig zu einer Kontrolluntersuchung. Bei Überwärmung des Kniegelenkes, starker Schwellung oder Schmerzen stellen Sie sich bitte umgehend in meiner Praxis vor, falls Krankheitsgefühl, Fieber, oder Schüttelfrost auftreten, melden Sie sich bitte sofort bei mir !!

Operationsrisiken

Statistisch betrachtet handelt es sich bei dem von mir durchgeführten Kreuzbandersatz nicht um einen „gefährlichen“ Eingriff. Ernste Komplikationen sind außerordentlich selten. Dennoch sind Komplikationen und unerwünschte Folgen nicht auszuschließen. Über allgemeine und besondere Operationsrisiken informiere ich Sie in einem persönlichen Gespräch und gebe Ihnen eine individuelle Prognose hinsichtlich des zu erwartenden Operationsergebnisses unter Berücksichtigung Ihrer individuellen Besonderheiten. Entsprechend den Leitlinien möchte ich auf mögliche Folgen und Komplikationen eines Kreuzbandersatzes hinweisen:
Allgemeine Risiken und Komplikationen: Hämatom, Wundheilungsstörung, Wundinfekt, tiefe Beinvenenthrombose, Embolie, Gefäßverletzung, Nervenverletzung.
Spezielle Folgen: Bewegungseinschränkung, Nahtinsuffizienz, Transplantatlockerung.
Komplikationen: Patellafraktur (nur bei Kreuzbandersatz mit Patellarsehne), Allergie, Tourniquetschaden, Schmerzpersistenz, Arthrose, Metallallergie.

Videos

Bilder

Publikationen

Buchbeitrag

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Der Sanfte Weg zur Neuen Hüfte

Bildschirmfoto 2011-07-17 um 22.23.02.png Eine neue Operationsmethode verletzt nur wenig Muskel- und Nervengewebe. Das bedeutet für den Patienten eine rasche Genesung. Nach wenigen Tagen ist selbständiges und schmerzfreies Gehen wieder möglich und der gefürchtete Muskelschwund bleibt aus.
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