Das Kniegelenk

Arthroskopie Knie

Wenn Sie länger bestehende Schmerzen, eine Einklemmungssymptomatik, oder Schwellung in Ihrem Knie haben, kann Ihnen ein Verfahren bekannt als „Arthroskopie“ vielleicht weiterhelfen. Dazu Doz. Müllner: „Arthroskopien ermöglichen es mir Knieprobleme zu diagnostizieren und zu behandeln. Hierzu werden kleine Einschnitte zur Darstellung des Inneren des Knies vorgenommen, wobei ein Bleistift-dickes Instrument namens Arthroskop benutzt wird. Die Optik beinhaltet optische Fasern, die ein Bild des Knies über eine kleine Kamera zu einem Monitor übermitteln. Das TV Bild erlaubt es mir, das Innere des Knies gründlich zu untersuchen und die Ursache Ihres Problems zu ergründen. Während des Verfahrens kann ich chirurgische Instrumente über kleine Einschnitte in Ihr Knie einführen, um beschädigtes Gewebe zu entfernen oder zu reparieren.“

Moderne und zeitgemäße Arthroskopien wurden erstmals in den späten 60er Jahren durchgeführt. Mit der Verbesserung der Arthroskope und hochauflösenden Kameras wurde die Effektivität des Verfahrens zu Diagnose- und Behandlungszwecken von Knieproblemen gesteigert. Heute ist die Arthroskopie eine der am meisten verbreiteten orthopädischen Verfahren.

Egal ob sie gerade erst begonnen haben, sich über verschiedene Behandlungsmethoden Ihres Knieproblems zu informieren oder ob Sie sich mit Doz. Müllner für eine Arthroskopie entschieden haben, soll diese Information zu einem besseren Verständnis über dieses wertvolle Methode beitragen.

Wie funktioniert ein normales Knie?

Das Knie ist das größte Gelenk des Körpers, aber auch das Gelenk, das am leichtesten verletzt werden kann. Es besteht aus dem unteren Ende des Oberschenkelknochens (Femur), dem oberen Ende des Schienbeins (Tibia) und der Kniescheibe (Patella), die in einer Furche am Ende des Femurs gleitet. 4 Bänder, das vordere und hintere Kreuzband sowie das mediale und laterale Seitenband, verbinden Femur und Tibia und gewährleisten die Stabilität des Gelenks. Starke Oberschenkelmuskulatur verleiht dem Knie Kraft und Mobilität.

Die Oberflächen, an denen sich Femur, Tibia und Patella berühren, sind mit Gelenksknorpel überzogen, einer glatten Substanz, die die Knochen überzieht und das freie Gleiten ermöglicht. Halbkreisförmige Ringe aus starkem Faserknorpelgewebe, lateraler und medialer Meniskus, agieren als Stoßdämpfer und Stabilisatoren.

Die Knochen des Knies sind von einer dünnen, glatten Gewebskapsel mit Synovialmembran ausgekleidet, die eine spezielle Flüssigkeit produziert. Diese schmiert das Knie und reduziert die Reibung in einem gesunden Knie auf nahezu Null.

Knieprobleme

Normalerweise arbeiten alle Teile des Knies harmonisch zusammen. Aber Sport- oder Arbeitsverletzungen, Arthritis oder altersbedingtes Nachlassen des Gewebes können Verschleiss und Entzündungen verursachen, verbunden mit Schmerzen und reduzierter Kniefunktion.

Eine Arthroskopie kann zur Diagnosesicherung und zur Behandlung dieser Probleme verwendet werden

  • Meniskusrisse
  • freie knöcherne und knorpelige Gelenkskörper
  • beschädigte Gelenksoberflächen oder Erweichung des Gelenksknorpels (Chondromalazie)
  • Entzündungen der Synovialmembran, wie bei rheumatoider oder gichtverursachten Arthritis
  • abnorme Lokalisationen oder Instabilität der Kniescheibe
  • Risse des Bandapparats, zum Beispiel des vorderen oder hinteren Kreuzbands

Ist eine Arthroskopie etwas für Sie?

Symptome, die Sie zu einem Kandidaten für dieses Verfahren machen könnten, sind Schwellung, länger bestehende Schmerzen, Einklemmungssymptomatik, Instabilität und einen Verlust des Vertrauens in Ihr Knie. Wenn andere Behandlungsmethoden wie Medikamente, Knieorthesen (spezielle Bandagen) und Physiotherapie gescheitert sind oder nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, könnten Sie von einer Arthroskopie profitieren.

Die meisten arthroskopischen Patienten sind zwischen 20 und 60 Jahre alt, aber auch Patienten unter 10 oder über 80 können von dieser Methode Nutzen ziehen.

Die orthopädische Untersuchung des Knies

besteht aus 3 Komponenten:

  • Anamnesegespräch zur Erhebung Ihrer Krankengeschichte, in dem Informationen über Ihren Gesundheitszustand und Ihre Beschwerden erfasst werden
  • Physikalische Krankenuntersuchung zur Erfassung der Kniegelenksbeweglichkeit und -stabilität, Muskelstärke und Beinachse
  • Röntgen zur Beurteilung der knöchernen Bestandteile des Knies. Sie werden oder wurden bereits zu einem MRT geschickt, um genauere Informationen über die Weichteile des Knies zu erhalten. Das MRT benützt Magnetfelder zur Bildgebung. Es ist kein Röntgenverfahren. Blutuntersuchungen können zur Feststellung einer Arthritis notwendig sein.

Doz. Müllner wird Ihre Testergebnisse mit Ihnen durchsehen und besprechen, ob eine Arthroskopie die beste Behandlungsmethode zur Diagnosesicherung und Behandlung Ihres Knieproblem ist. Mögliche Alternativen wie Medikamente oder andere chirurgische Verfahren werden auch besprochen und berücksichtigt. Sie werden über mögliche Risken und Komplikationen der Kniearthroskopie aufgeklärt, sowohl intraoperative als auch Folgekomplikationen.

OP-Vorbereitung

Wenn Sie sich für eine Arthroskopie entschieden haben, werden Sie dazu aufgefordert werden, eine komplette Untersuchung vor der Operation durch Ihren Hausarzt durchführen zu lassen, um Ihren Gesundheitszustand festzustellen und mögliche Erkrankungen, die einen Einfluss auf Ihre Operation haben könnten, auszuloten.

Informieren Sie mich vor der Operation über alle Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen. Es wird Ihnen gesagt, welche Sie vor der Operation absetzen müssen. Untersuchungen wie Labor oder EKG können zur Op-Planung angeordnet werden.

Ihre arthroskopische Knieoperation

Fast alle arthroskopischen Knieoperationen können ambulant oder mit einem kurzen Spitalsaufenthalt durchgeführt werden. Es werden Ihnen detailierte Informationen über Ihre Operation gegeben, und normalerweise müssen Sie sich 1 bis 2 Stunden vor Operationsbeginn im Spital einfinden. Bleiben Sie ab Mitternacht (je nach Op-Termin) nüchtern (Essen und Trinken).

Nach Ihrer Ankunft im Spital werden Sie von einem Mitglied des Anästhesieteams untersucht. Arthroskopien können in lokaler, regionaler und Vollnarkose durchgeführt werden. Lokalnarkosen betäuben nur Ihr Knie, während eine Regionalanästhesie Sie von der Hüfte abwärts betäubt, eine Vollnarkose lässt Sie einschlafen. Der Anästhesist wird Sie in der Entscheidung über die Narkoseform bestens beraten.

Wenn Sie unter Lokal- oder Regionalnarkose operiert werden, haben Sie die Möglichkeit, die Operation auf dem Fernsehschirm mitzuverfolgen.

Doz. Müllner wird wenige kleine Einschnitte in Ihr Knie vornehmen. Eine sterile Lösung wird benutzt, um den Gelenksraum auszufüllen und die trübe Gelenksflüssigkeit für eine klare Sicht wegzuspülen. Der Operateur bringt das Arthroskop zur genauen Diagnosestellung Ihres Problems in das Knie ein und benutzt das Bild auf dem TV Monitor, um das Arthroskop zu führen. Wenn eine chirurgische Intervention notwendig ist, stehen dem Operateur eine Reihe von kleinen chirurgischen Instrumenten zu Verfügung (zum Beispiel Schere, Klemme, rotierende Messer oder Laser), die über andere Einschnitte in das Gelenk gelangen. Dieser Teil des Verfahrens dauert normalerweise 15 –45 Minuten.

Eine normale Behandlung mit einer Kniearthroskopie beinhaltet

  • Entfernung und Reparation von Meniskusrissen
  • Rekonstruktion von gerissenen Kreuzbändern
  • Glätten des Gelenksknorpels
  • Entfernung von freien knorpeligen und knöchernen Gelenkskörpern
  • Entfernung von entzündlichem Synovialgewebe

Zustand nach Meniskusriss, der arthroskopisch teilentfernt wurde.

Am Ende der Operation verschließt Doz. Müllner die Einschnitte mit einem Pflaster und verbindet sie.

Sie werden in einen Aufwachraum gebracht.

Normalerweise können Sie nach einigen Stunden nach Hause entlassen werden. Es sollte Sie allerdings jemand nach Hause fahren.

Ihre Genesung zu Hause

Die Rekonvaleszenz nach einer Kniearthroskopie erfolgt viel schneller als nach einer traditionellen offenen Knieoperation. Trotzdem ist es wichtig, den Anweisungen Ihres Operateurs genau nach Ihrer Heimkehr zu folgen. Es sollte jemand an diesem Abend nach Ihnen sehen.

Schwellung: Lagern Sie Ihr Bein in den ersten Tagen nach der Operation so oft wie möglich hoch. Legen Sie nach Anraten Ihres Operateurs Eis auf, um Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren.

Verbandwechsel: Sie werden das Spital mit einem Verband am Knie verlassen. Diesen können Sie am Folgetag entfernen. Sie können auch duschen gehen, direkter Wasserkontakt sollte allerdings vermieden werden. Nehmen Sie kein Wannenbad. Die Einschnitte sollten sauber und trocken gehalten werden.

Entlasten: Nach den meisten arthroskopischen Operationen kommen Sie ohne weitere Gehhilfe aus. Es kann aber notwenidg sein, Krücken oder einen Geh- oder Wanderstock eine bestimmt Zeit lang zu verwenden. Nach und nach können Sie dann mehr Gewicht auf das operierte Bein verlagern, wobei Ihr Gefühl Ihnen die Grenzen aufweist. Diese Vorgehensweise hilft Ihnen, Kraft in Ihrem Knie zurückzugewinnen. Autofahren ist nach 1 Woche wieder möglich.

Übungen zur Stärkung Ihres Knies: Sie sollten regelmäßig für mehrere Wochen trainieren und dabei den Empfehlungen des Arztes zur Muskelstärkung in Bein und Knie folgen. Ein Physiotherapeut kann Sie bei Ihrem Programm unterstützen, falls besondere Übungen von Ihrem Operateur angeordnet werden.

Medikamente: Ihr Operateur kann Ihnen zur Prophylaxe von Infektionen Antibiotika und eine Schmerzmedikation verschreiben, um die Tage nach der Operation zu erleichtern.

Komplikationen: Mögliche postoperative Komlikationen sind Infektionen, Thrombosen und ein Bluterguss im Knie. Diese kommen unregelmäßig vor, sind aber nicht sehr schwerwiegend und behandelbar.

Warnsymptome

Wenden Sie sich sofort an Ihren Chirurgen, wenn Sie eine der folgenden Symptome bemerken

  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Länger bestehende Überwärmung oder Rötung im Kniebereich
  • Länger bestehende oder stärker werdende Schmerzen
  • größere Schwellungen des Knies
  • stärker werdende Schmerzen in der Wadenmuskulatur
  • Atemnot oder Brustschmerzen

Realistische Erwartungen nach einer Arthroskopie

Obwohl eine Arthroskopie zur Behandlung vieler Probleme eingesetzt werden kann, können einige Einschränkungen auch nach der Heilung auftreten. Das Resultat Ihrer Operation ist abhänigig vom Ausmaß der festgestellten Verletzung oder des Schadens. Wenn Sie sich zum Beispiel das Knie beim Joggen verletzt haben und der glatten Gelenksknorpel auf den gewichtstragenden Teilen des Knies abgenützt ist, kann es notwendig werden, auf eine schonendere Sportart umzusteigen. Ein Profiathlet zieht sich oft die gleiche Verletzung wie ein Freizeitsportler zu, aber die Genesung kann durch die übermäßig trainierte Kniemuskulatur positiv beeinflusst werden. Körperliches Training und Rehabilitation spielen eine wichtige Rolle bei dem finalen Ergebnis. Ein Physiotherapieprogramm kann positiv zum Resultat beitragen. 

Eine Rückkehr zu intensivem körperlichen Training sollte nur unter Aufsicht Ihres Chirurgen erfolgen.

Es ist durchaus realistisch, dass man nach 6-8 Wochen die meisten sportlichen Aktivitäten wieder ausüben kann, solange keine schweren Belastungen dabei sind. Rotationsbewegungen müssen für längere Zeit vermieden werden.

Wenn Ihr Beruf schwere körperliche Tätigkeiten beinhaltet, zum Beispiel Bauarbeiter, kann Ihre Rückkehr in die Berufswelt längere Zeit in Anspruch nehmen als bei sitzenden Bürotätigkeiten.

Ich hoffe, dass ich Ihnen damit einige Informationen über die Arthroskopie des Kniegelenks gegeben habe. Bitte zögern Sie nicht, noch offene Fragen mit mir zu besprechen. Benützen Sie hierzu das Kontaktformular.

Ihr,
Univ. Doz. Dr. Thomas Müllner, PhD

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