Das Ellbogengelenk

Arthroskopie Ellbogen

Einleitung

Erste konkrete Beschreibungen zum Thema Arthroskopie des Ellbogengelenkes sind in der Literatur bereits um 1978 zu finden. Ab 1984 wurde eine Vielzahl von Arbeiten zu diesem Thema publiziert und seither hat die Bedeutung der Ellbogengelenksarthroskopie ständig zugenommen. Sie hat sich durch Verbesserungen der Technik und der Ausrüstung zu einer effektiven und bei entsprechender Sorgfalt sicheren Methode zur Behandlung und Diagnostik von Pathologien im Bereich des Ellbogengelenkes entwickelt. Es wurden klare Indikationen herausgearbeitet und die operative Technik weiterentwickelt. Dennoch stellt die Ellbogenarthroskopie an den Operateur hohe Anforderungen und ist mit entsprechender Behutsamkeit und Umsicht anzugehen. Die Nähe zu heiklen anatomischen Strukturen macht wegen der großen Gefahr relevanter Komplikationen ein umfassendes anatomisches Wissen und ein schrittweises Vorgehen von Übungen im Labor beziehungsweise an Präparaten, über diagnostische Eingriffe unter Anleitung, bis hin zu operativen Eingriffen wie Synovektomie, Kapsulotomie, Radiuskopfresektion und arthroskopisch kontrollierten Osteosynthesen erforderlich . So hat sich auch allgemein das Indikationsspektrum der Ellbogenarthroskopie über die Jahre weiterentwickelt. Wurde sie früher vorwiegend zu diagnostischen Zwecken und zur Entfernung freier Gelenkskörper eingesetzt, so stellt heute die Synovektomie, das arthroskopische Debridement, sowie das arthroskopische Release bei Kontrakturen des Ellbogengelenkes ein wesentliches Aufgabengebiet dar. Auch die arthroskopisch kontrollierte Osteosynthese zB. des Capitulum radialis humeri oder des Processus coronoideus ulnae, die Radiuskopfresektion, die arthroskopische Behandlung der Epicondylitis radialis humrei und die arthroskopische Dekompression des Nervus ulnaris werden heute von Spezialisten mit Erfolg praktiziert.

Indikationen

Die Indikationen zur Ellbogengelenksarthroskopie lassen sich unterteilen in derzeit etablierte Standardindikationen, sowie in Indikationen, die zur Zeit noch sehr erfahrenen Spezialisten vorbehalten bleiben sollten.

Etablierte Indikationen

  • Diagnostische Arthroskopie
  • Entfernung freier Gelenkskörper
  • Abtragung von Osteophyten
  • Synovektomie
  • Arthritis
  • Debridement
  • Osteochondritis dissecans
  • Release bei Kontrakturen des Ellbogengelenkes
  • Impingementsyndrom (Plikasyndrom)

Erweiterte Indikationen

  • Epicondylitis radialis humeri
  • Humeroulnare Arthroplastik
  • Arthroskopische Entfernung des Radiuskopfes
  • Komplexes Release bei Arthrofibrose (Kapsulektomie)
  • Behandlung der fortgeschrittenen primären Osteoarthrose durch eine osteokapsuläre Arthroplastik mit vollständiger Kapsulektomie und Entfernung sämtlicher Osteophyten
  • Posterolaterale Rotationsinstabilität
  • Arthroskopisch kontrollierte Frakturversorgung (Speichenköpfchenfrakturen, unicondyläre Frakturen, Frakturen des proc.coronoideus ulnae, Frakturen des Capitulum radialis humeri)
  • Arthroskopische Tumorresektion (Osteoblastom)
  • Arthroskopische Dekompression des Nervus ulnaris

Anästhesie

Arthroskopien im Bereich des Ellbogengelenkes werden häufig in Allgemeinanästhesie durchgeführt. Neben der Möglichkeit der Muskelrelaxation wird auch die häufig bevorzugte Baulagerung bzw. Seitenlagerung besser toleriert. Außerdem ist nach einer Allgemeinanästhesie die Überprüfung der Neurologie unmittelbar möglich.

Lagerung

Die Lagerung des Patienten zur Ellbogenarthroskopie soll neben einer guten Zugänglichkeit sowohl des ventralen als auch des dorsalen Gelenksabschnittes, auch eine möglichst hohe Stabilität zur gefahrlosen Manipulation während der Operation bieten. Zusätzlich soll ein Umsteigen auf ein offenes Verfahren jederzeit möglich sein. Daher stehen zur Ellbogenarthroskopie grundsätzlich 3 verschiedene Lagerungsmöglichkeiten zur Auswahl.

Zusammenfassung

Die Arthroskopie des Ellbogengelenkes wird derzeit im Vergleich zu arthroskopischen Eingriffen an anderen Gelenken noch selten durchgeführt. So steht zahlenmäßig die Arthroskopie des Kniegelenkes im Vordergrund, gefolgt von arthroskopischen Eingriffen am Schultergelenk. In den letzten Jahren haben jedoch, gestützt auf die positiven Erfahrungen in anderen Ländern, sowie auf die Zunahme an Erfahrung und Verbesserung der Technik, die Indikationen zu diesem Verfahren deutlich zugenommen. Dennoch handelt es sich um eine Technik, die einer gewissen Spezialisierung, sowie einer intensiven Auseinandersetzung mit der lokalen Anatomie und einem Training an Ellbogengelenkspräparaten bedarf. Dem Geübten bietet sie jedoch eine hervorragende Möglichkeit, auf minimal invasivem Wege eine Therapie einiger Pathologien am Ellbogengelenk erfolgreich durchzuführen. Es erscheint aber ratsam, sich zu Beginn diagnostische Eingriffe sowie Standardindikationen, wie die Entfernung freier Gelenkskörper oder die Abtragung von Briden vorzunehmen und so Übung in dieser Technik zu erlangen. Die Lernkurve scheint am Ellbogengelenk auf jeden Fall deutlich flacher zu sein als zum Beispiel am Kniegelenk. Auch die Tatsache, dass das Ellbogengelenk ein sehr stark kongruentes, straff geführtes Gelenk ist und nur eine eingeschränktes Gelenkscavum aufweist erschwert das arthroskopische Arbeiten. Das Risiko einer Arthroskopie des Ellbogengelenkes besteht in erster Linie in einer Schädigung der neurovaskulären Strukturen. Hier steht der Nervus radialis an erster Stelle, gefolgt vom Nervus ulnaris und zuletzt dem Nervus medianus. Auch die vorliegende Pathologie hat bei arthroskopischen Eingriffen am Ellbogengelenk einen Einfluß auf das Risiko. Bei Patienten mit rheumatischer Arthritis ist durch die dünne Gelenkskapsel bei der Synovektomie die Verletzungsgefahr für die Nerven wesentlich erhöht. Bei primärer degenerativer Arthrose, sowie bei einer posttraumatischen Kontraktur des Ellbogengelenkes ist der Eingriff durch das teilweise deutlich verminderte Gelenkscavum oft erheblich erschwert, was das Risiko einer neurovaskulären Schädigung, sowie die Gefahr einer iatrogenen Schädigung des Gelenksknorpels deutlich erhöht. Trotz der relativ hohen potentiellen Gefahr einer iatrogenen Schädigung ist jedoch bei Analyse der eigenen Fälle, sowie bei Durchsicht der Literatur, die tatsächlich auftretende Anzahl von relevanten Schäden gering. Somit kann die Ellbogenarthroskopie bei Beachtung der anatomischen Gegebenheiten und schrittweisem Herantasten an schwierigere Aufgabenstellungen als durchaus sicheres Verfahren angesehen werden und wird in Zukunft ihren sicheren Platz in der Behandlung von Gelenkspathologien am Ellbogengelenk erhalten. (Michael Plecko, AUVA Graz)

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