Das Handgelenk

Anatomie Handgelenk

Beim Menschen werden als Handgelenk das Gelenk zwischen Speiche und Handwurzelknochen (Articulatio radiocarpalis, „proximales Handgelenk“) sowie das zwischen den beiden Reihen der Handwurzelknochen (Articulatio mediocarpalis, „distales Handgelenk“) bezeichnet. Im weiteren Sinne werden auch die übrigen Gelenke der Handwurzel unter diesem Begriff eingeordnet, die als so genannte straffe oder Wackelgelenke (Amphiarthrosen) die beiden Hauptgelenke in ihrer Funktion unterstützen, allerdings nur einen geringen Bewegungsumfang zeigen.

Alle Teilgelenke wirken gemeinsam als funktionelle Einheit und ermöglichen Beugung (Flexion) Richtung Handinnenfläche (Palmarflexion), Streckung (Extension) Richtung Handrückseite (Dorsalextension) sowie Abspreizbewegungen (Abduktion) Richtung Daumen (Radialduktion) und Richtung Kleinfinger (Ulnarduktion).

Proximales Handwurzelgelenk

Das der Körpermitte näher gelegene (proximale) Handwurzelgelenk bezeichnet beim Menschen die gelenkige Verbindung zwischen dem der Körpermitte entfernt gelegenen (distalen) Ende der Speiche (Facies articularis carpi radialis) und drei der proximalen Handwurzelknochen (Ossa carpalia), dem Kahnbein (Os scaphoideum), dem Mondbein (Os lunatum) und dem Dreiecksbein (Os triquetrum). Zudem ist die Zwischengelenkscheibe (Discus articularis) des distalen Speichen-Ellen-Gelenkes an der Gelenkbildung beteiligt, die zwischen den Handwurzelknochen und der Elle vermittelt. Bei den meisten Wirbeltieren stehen jedoch sowohl Elle (Articulatio ulnocarpea) als auch Speiche (Articulatio radiocarpea) mit den Handwurzelknochen in Verbindung.
An den Knorpelrändern der Knochen und an der Zwischengelenkscheibe ist eine dünne, schlaffe Gelenkkapsel befestigt, die durch zahlreiche einstrahlende Bänder verstärkt wird. Der Gelenkspalt ist unverzweigt und enthält manchmal Fettfalten (Plicae synoviles).
Das proximale Handgelenk ist funktionell betrachtet ein Ellipsoid- oder Eigelenk (Articulatio ellipsoidea), das zwei Freiheitsgrade besitzt:
Beugung (Palmarflexion) bis zu circa 80° und Streckung (Dorsalextension) bis zu circa 70°
Abspreizbewegungen (Abduktion) zur Speiche (Radial-) bis zu circa 20° bzw. zur Elle hin (Ulnar(ab)duktion) bis zu circa 40°

Distales Handwurzelgelenk

Das der Körpermitte entfernter gelegene Handwurzelgelenk (Articulatio mediocarpalis) – selten auch als mittleres Handwurzelgelenk bezeichnet, bei Tieren die mittlere Gelenketage des Vorderfußwurzelgelenks darstellend – zeigt einen in etwa s-förmigen Gelenkspalt zwischen der proximalen und distalen Reihe der Handwurzelknochen. Es setzt sich aus den einzelnen Gelenken zwischen jeweils zwei benachbarten Knochen zusammen und wirkt funktionell mit den gelenkigen Verbindungen der Handwurzelknochen einer Reihe untereinander (Articulationes intercarpales) als Einheit. Die Gelenkkapsel ist auf der Handinnenfläche straff, hingegen auf der Handrückseite schlaff und bildet zahlreiche Fettfalten aus.
Das der Körpermitte entfernter gelegene Handgelenk ist ein verzahntes Scharniergelenk (Articulatio ginglymus). Der schematische Verlauf ist auf Abbildung II als rote Line dargestellt. Es ist in seinem Bewegungsausmaß durch seine gebogene Form sowie durch Bänder und Gelenkkapseln eingeschränkt. Es wirkt zusammen mit dem proximalen Handgelenk als funktionelle Einheit.

Interkarpalgelenke
 

Die Interkarpalgelenke (Articulationes intercarpales) bezeichnen die gelenkigen Verbindungen der Handwurzelknochen einer Reihe untereinander.
Die Interkarpalgelenke sind – wie die Karpometakarpalgelenke – so genannte Wackelgelenke (Amphiarthrosen), die durch zahlreiche Bandzüge so versteift sind, dass sie kaum beweglich sind. Die Gelenkkapsel ist von der Körpermitte näher gelegen schlaff und von der Körpermitte entfernter gelegen straff. Es handelt sich um so genannte Nebengelenke, welche die Verschieblichkeit der Handwurzelknochen untereinander erhöhen und damit die Beweglichkeit der benachbarten Hauptgelenke (Articulatio radiocarpalis und Articulatio mediocarpalis) steigern.
Das Interkarpalgelenk zwischen dem Erbsenbein (Os pisiforme) und dem Dreiecksbein (Os triquetrum), das so genannte Erbsenbeingelenk (Articulatio ossis pisiforme oder Articulatio ossis carpi accessorii) ist ein eigenständiges Gelenk mit einer unabhängigen Gelenkkapsel und unabhängigen Gelenkspalt.

Mittelhandgelenke 

Karpometakarpalgelenke

Die Karpometakarpalgelenke, die Verbindung der distalen Handwurzelknochen mit dem zweiten bis fünften Mittelhandknochen (Articulationes carpometacarpales II–V) werden beim Menschen nicht direkt dem Handgelenk zugeordnet, bei Tieren jedoch stets zum Vorderfußwurzelgelenk gerechnet. Sie sind – wie die Interkarpalgelenke – so genannte Wackelgelenke, die durch zahlreiche Bandzüge so versteift sind, dass sie kaum beweglich sind. Es handelt sich um Nebengelenke, welche die Verschieblichkeit zwischen den Handwurzelknochen und den Mittelhandknochen erhöhen und damit die Beweglichkeit der benachbarten Hauptgelenke (Articulatio radiocarpalis und Articulatio mediocarpalis) steigern.

Das Daumensattelgelenk (Articulatio carpometacarpalis pollicis oder auch Articulatio carpometacarpalis I) bildet eine Ausnahme der fünf Karpometakarpalgelenke, da es im Gegensatz zu ihnen kein Wackelgelenk, sondern ein echtes und somit frei bewegliches Gelenk bildet. Es bezeichnet die gelenkige Verbindung zwischen dem großen Vieleckbein (Os trapezium) und dem Mittelhandknochen des ersten Fingers, also des Daumens (Os metacarpale I oder Os metacarpale pollicis). Es handelt sich um ein Sattelgelenk (Articulatio sellaris) und wird vor allem für die Gegenüberstellung (Opposition) des Daumens gegenüber den anderen Fingern benötigt und hat daher beim Menschen eine zentrale Bedeutung für das Greifen.

Intermetakarpalgelenke

Die Intermetakarpalgelenke (Articulationes intermetacarpales) sind die gelenkigen Verbindungen zwischen den Mittelhandknochen einer Reihe untereinander. Sie sind – wie die Interkarpalgelenke und die Karpometakarpalgelenke – Amphiarthrosen, die durch zahlreiche Bandzüge so versteift sind, dass sie kaum beweglich sind. Sie erhöhen die Verschieblichkeit der Mittelhandknochen untereinander und damit die Beweglichkeit der benachbarten Hauptgelenke (Articulatio radiocarpalis und Articulatio mediocarpalis).

Erkrankungen

Eine der häufigste Erkrankungen der Handgelenke ist das Carpaltunnelsyndrom (CTS). Dabei ist der Mittelarmnerv (Nervus medianus) meist durch Druck geschädigt. Ursache können vorausgegangene handgelenksnahe Knochenbrüche (Frakturen), rheumatische Erkrankungen oder Überbeanspruchung (Computermaus, Fahrradlenker etc.) sein. Allerdings findet sich oft auch keine bestimmbare Ursache. Die Schädigung des Nervus ulnaris im Bereich des Handgelenks (Loge-de-Guyon-Syndrom) ist deutlich seltener.
Die häufigste Schädigungen durch Verletzungen (Traumata) sind ein gelenknaher Speichenbruch (distale Radiusfraktur) und ein Bruch des Kahnbeins. Prinzipiell können alle Knochen des Handgelenks brechen oder bei Bänderrissen aus ihrem Gefüge geraten. Weitere Erkrankungen sind eine Sehnenscheidenentzündung, ein Repetitive Strain Injury Syndrom und ein Ganglion. Eine Arthrose des Daumensattelgelenkes kommt recht häufig vor und wird als Rhizarthrose bezeichnet.

Untersuchungsmöglichkeiten

Eine moderne Diagnoseform ist neben der Computertomographie (CT) und Kernspintomographie (MRT) die Handgelenksspiegelung (Arthroskopie), die in örtlicher Betäubung bzw. Arm-(Plexus-brachialis)-Betäubung stattfinden kann. Letztere sollte nur an Zentren durchgeführt werden, an denen auch sofort eine entsprechende Therapie durchgeführt werden kann, sonst wird oft eine zweite Operation unter Narkose mit allen Risiken notwendig.

Bilder

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