Anatomie

Knöcherne Strukturen und Gelenkflächen

Die Knochenpartner haben einen sehr engen Kontakt zueinander. Damit auch an den Kontaktflächen eine schmerzfreie und ungestörte Beweglichkeit des Hüftgelenkes stattfinden kann, sind sie (wie alle Gelenkflächen im Körper) mit einer sehr glatten, weißlichen Knorpelschicht, dem so genannten hyalinen Knorpel, überzogen.

Oberschenkelknochen (Femur)

Der Oberschenkelknochen bildet am oberen Ende einen großen kugelförmigen Kopf (Caput femoris). Dieser stellt eine relativ regelmäßig gekrümmte Zweidrittel-Kugel mit einem Radius von durchschnittlich 2,5 Zentimetern dar. Lediglich der gelenknahe (proximale) Pol formt eine plane Fläche um die Einziehung des Oberschenkelknochenkopfes (Fovea capitis femoris), um die zu übertragende Last von einem Punkt auf einen Ring zu verschieben. Der Oberschenkelknochenkopf ist durchgehend von hyalinem Knorpel überzogen, weist in seinen Hauptbelastungszonen jedoch eine besonders ausgeprägte Schicht von etwa 2,5 bis 3,5 Millimetern auf. Zum Oberschenkelknochenhals (Collum femoris) hin nimmt die Dicke sukzessiv ab.

Becken (Pelvis)

Am Aufbau des Gegenstückes, der Gelenkpfanne, sind alle drei Beckenknochen beteiligt: Das Dach wird vom Darmbein (Os ilium) gebildet, das Schambein (Os pubis) begrenzt vorne (ventral) und das Sitzbein (Os ischii) hinten-oben (dorsokaudal) den Rand des Beckens mit seiner Vertiefung, das so genannte Acetabulum („Essignäpfchen“). Sie vereinigen sich mittels einer hyalinen Knorpelschicht (Y-Fuge) zum Hüftbein (Os coxae), die im Laufe der Entwicklung verknöchert (ossifiziert). Stellt man sich die Pfanne als hohle Halbkugel vor, beträgt ihr Radius je nach Körpergröße etwa 2,7 Zentimeter. Eine bogenförmige Faserknorpellippe (Labrum acetabuli bzw. Limbus acetabuli) geht jedoch stellenweise über den Äquator der Halbkugel hinaus und umgreift regelrecht den Oberschenkelknochenkopf. Daher spricht man beim Hüftgelenk auch von einem Nussgelenk (Sonderform des Kugelgelenkes). Zum Schambeinloch (Foramen obturatum) ausstrahlend ist die Pfannenlippe hingegen unterbrochen (Incisura acetabuli), sodass sie eine halbmondförmige Gestalt annimmt. Dieser unterbrochene Teil der Pfanne wird von einem Querband (Ligamentum transversum acetabuli) überbrückt. Das Innere der Gelenkpfanne ist nicht vollständig von hyalinem Knorpel überzogen, da sich die effektive physiologische Kontaktfläche mit dem miteinander in Verbindung stehenden (artikulierenden) Oberschenkelknochenkopf auf eine halbmondförmige Gelenkfläche (Facies lunata) beschränkt. Daher ist die Knorpelfläche gerade mal 2 Zentimeter lang und 0,3 Zentimeter dick. Mittig (Medial) dieser Kontaktfläche liegt zentral eine von der Gelenkfläche aufgeworfene Vertiefung (Fossa acetabuli), die mit der Unterbrechung der Pfannenlippe in einer Ebene liegt und in ihr ausläuft.

Gelenkkapsel, -flüssigkeit und -raum

Umhüllt wird das Hüftgelenk von der kräftigsten Gelenkkapsel des menschlichen Körpers, der straffen Hüftgelenkskapsel (Capsula articularis coxae). Sie wird über innerhalb der Kapsel gelegene Bänder stabilisiert und in der Mitte vom Ringband umgurtet.

- Äußere Schicht: Die äußere Schicht der Gelenkkapsel (Membrana fibrosa capsulae) entspringt an der Faserknorpellippe und überdeckt trichterförmig fast vollständig den Oberschenkelknochenhals, um vorne an der Linie zwischen den beiden Oberschenkelrollhügeln (Linea intertrochanterica) zu inserieren. Hinten (dorsal) ist die Ansatzlinie etwa fingerbreit oberhalb des Randes (Crista intercondylaris) zwischen den Oberschenkelknorren (Trochanter major und Trochanter minor) entfernt.
- Innere Schicht: Die innere Schicht der Gelenkkapsel wird als Gelenkinnenhaut (Membrana synovialis capsulae) bezeichnet.
Sie bildet die für die Ernährung des Knorpels wichtige Gelenkflüssigkeit (Synovia). Bewegungen des Hüftgelenks durchmischen die Gelenkflüssigkeit und verbessern dadurch die Aufnahme von Nährstoffen durch die Knorpelzellen (Chondrozyten). Die richtige Menge und Zusammensetzung der Gelenkflüssigkeit ist außerdem für die Schmierung des Hüftgelenkes von entscheidender Bedeutung. Durch sie wird die Reibung der korrespondierenden Knorpelflächen bei der Roll-Gleit-Bewegung minimiert.
- Schleimbeutel: Zwischen der Kapsel und dem Lendenmuskel befindet sich ein Schleimbeutel (Bursa iliopectinea), der meistens mit dem Hüftgelenk in Verbindung steht.

Bänder

Das Hüftgelenk ist mit dem kräftigsten Bandapparat des menschlichen Körpers versehen, da es aufgrund des umfangreichen Bewegungsspielraums auf eine knochenbetonte Roll-Gleitbewegung (Arthrokinematik und Osteokinematik), wie etwa beim Kniegelenk verzichtet.
Die kapselverstärkenden Bänder sind derart schraubenförmig um den Oberschenkelknochenhals gewickelt, dass sie im Stand und in Streckung (Extension) gespannt sind, während sie sich bei Beugung (Flexion) abwickeln. Von jedem der Teilknochen des Hüftgelenkes windet sich ein Band zum gelenknahen Oberschenkelknochen. Sie stabilisieren, indem sie für eine Kontakterhaltung zwischen Gelenkpfanne und -kopf sorgen. Außerdem besitzt die knöcherne Gelenkpfanne ein zusätzliches Band, wodurch sie vervollständigt wird. In den Oberschenkelknochen führt noch ein Band, welches den Hüftkopf versorgt.

- Bänder außerhalb der Kapsel: Das Ringband (Zona orbicularis) liegt wie ein Kragen um die engste Stelle des Oberschenkelknochenhalses (Collum femoris). An der Innenfläche der Gelenkkapsel ist es als deutlicher Ringwulst zu erkennen, während es außen durch die anderen Bänder, die teilweise in sie einstrahlen, verdeckt ist. Das Ligamentum iliofemorale („Darmbeinschenkelband“) ist mit ca. 350 kg Zugfestigkeit das stärkste Band des Körpers. Es verläuft von der vorderen unteren Beckenspitze (Spina iliaca anterior inferior) und dem Rand des Pfannendachs bis zur Linie zwischen den beiden Oberschenkelrollhügeln. Man unterteilt es in einen stärkeren Zügel, der weiter oben und parallel zur Oberschenkelknochenhalsachse verläuft (Pars transversa) und einen schwächeren Zügel, der etwas weiter unten und parallel zur Oberschenkelknochenlängsachse verläuft (Pars descendens). Gemeinsam verhindern beide Zügel ein Nach – hinten – Kippen des Beckens und stabilisieren somit die Standbeinphase, also die Streckung. Der obere Zügel hemmt zusätzlich die Auswärtsdrehung (Außenrotation), der untere Zügel hemmt die Innenwärtsdrehung (Innenrotation). Das Ligamentum ischiofemorale („Sitzbeinschenkelband“) verläuft vom Sitzbein zum Ansatz des oberen Zügels des Darmbeinschenkelbandes. Es strahlt außerdem in das Ringband ein. Das Sitzbeinschenkelband hemmt die Innenwärtsdrehung. Das Ligamentum pubofemorale („Schambeinschenkelband“) ist das schwächste der Hüftgelenksbänder. Es verläuft vom Schambein (Ramus superior ossis pubis, genauer von der Crista obturatoria und Membrana o bturatoria) zum kleinen Oberschenkelrollhügel und strahlt in das Ringband und die Gelenkkapsel ein. Das Schambeinschenkelband schränkt die Abspreizbewegung (Abduktion) ein.

- Bänder innerhalb der Kapsel: Das Oberschenkelknochenkopfband (Ligamentum capitis femoris) verläuft von der Pfannengrube (Fossa acetabuli,  genauer Incisura acetabuli) in einer kleinen Vertiefung im Oberschenkelknochenkopf (Fovea capitis femoris). Es hat keine mechanische Funktion, sondern beinhaltet eine Arterie, die den Hüftkopf versorgt (Arteria capitis femoris). Weitere Arterien, die den Hüftkopf versorgen sind die Arteria circumflexa femoris lateralis und der Arteria circumflexa femoris medialis. Bei Pferden besitzt das Oberschenkelknochenkopfband eine Abspaltung (Ligamentum accessorium capitis femoris), welche sich am Schambein anheftet. Das quere Pfannenband (Ligamentum transversum acetabuli) verschließt die Lücke in der Hüftgelenkspfanne (Incisura acetabuli) und vervollständigt so die knöcherne Gelenkpfanne nach unten hin.

Muskulatur

Beuger: Die innere Lendenmuskulatur stellen zwei Teilmuskeln des (Musculus iliopsoas) (Darmbeinmuskel=Musculus iliacus und großer Lendenmuskel=Musculus psoas major) dar. Sie beugen das Hüftgelenk, der Darmbeinmuskel bewirkt außerdem eine leichte Heranführungsbewegung und der große Lendenmuskel eine leichte Auswärtsdrehung. Der nur bei etwa 50 % der Menschen vorkommende kleine Lendenmuskel (Musculus psoas minor) unterstützt den großen. Bei Tieren hat er keine Wirkung auf das Hüftgelenk, da er selbständig am Darmbein ansetzt.

Weitere Beuger des Hüftgelenks sind der Schneidermuskel (Musculus sartorius), der Schenkelbindenspanner oder Sprintermuskel (Musculus tensor fasciae latae) und der gerade Oberschenkelmuskel (Musculus rectus femoris).

Strecker: Der große Gesäßmuskel (Musculus gluteus maximus) ist beim Menschen der kräftigste Strecker des Hüftgelenks, bei Tieren ist dies der mittlere Gesäßmuskel (Musculus gluteus medius). Der große Gesäßmuskel bewirkt außerdem eine Auswärtsdrehung, die oberen Fasern eine Abspreizbewegung und die unteren Fasern eine Heranführungsbewegung. Die langen Oberschenkelmuskeln: der Halbsehnenmuskel (Musculus semitendinosus), der Bizeps (Musculus biceps femoris) und der halbhäutige Muskel (Musculus semimembranosus) wirken auf das Hüftgelenk vorwiegend als Strecker.

Heranführer: Die an der Innenseite des Hüftgelenks angeordneten Adduktoren: der Kammuskel (Musculus pectineus), der lange (Musculus adductor longus), kurze (Musculus adductor brevis), große Adduktor (Musculus adductor magnus) und der schlanker Muskel (Musculus gracilis) führen den Oberschenkel an den Körper heran.

Auswärtsdreher: Die tiefe hintere Schicht der hinteren, äußeren Hüftmuskulatur wird auch als „kleine Beckengesellschaft“ bezeichnet. Sie besteht aus den beiden Hüftlochmuskeln (Musculus obturator internus und Musculus obturator externus), den beiden Zwillingsmuskeln (Musculus gemellus superior und Musculus gemellus inferior) und dem viereckigen Oberschenkelmuskel (Musculus quadratus femoris). Alle Muskeln bewirken eine Auswärtsdrehung,ebenso der Birnenmuskel (Musculus piriformis).

Einwärtsdreher: Der mittlere Gesäßmuskel und der kleine Gesäßmuskel (Musculus gluteus minimus) bewirken beim Menschen eine Einwärtsdrehung und Abspreizbewegung, bei Tieren wirken sie als Hüftgelenkstrecker.

Erkrankungen

Haupterkrankungen des Hüftgelenkes beim Menschen sind:

  • angeborene Veränderungen des Gelenkes (bei Mädchen häufiger)
  • abgeflachte Hüftpfannen (Hüftdysplasie, teils entwicklungsbedingt bei Neugeborenen): fehlende Überdachung des Hüftkopfes. Führt in den meisten Fällen zu Abnützungserscheinungen der Hüfte, die im Frühstadium noch arthroskopisch, in fortgeschrittenen Stadien mit einer Endoprothese behandelt werden müssen.
  • Beugekontraktur
  • Coxa vara (Schenkelhals varisch, mehr horizontal)
  • Coxa valga (Schenkelhals valgisch, steiler gestellt)
  • Knochenbrüche (Frakturen) des Beckenknochens (Acetabulumfraktur) oder des Oberschenkelknochens
  • Abnutzungen der Gelenkflächen (Hüftgelenksarthrose)
  • Entzündungen des Gelenkraumes (Arthritis)
  • Hüftkopfnekrose
  • Coxitis fugax, auch „Hüftschnupfen“ genannt
  • Jugendliche Hüftkopflösung (Epiphysiolysis capitis femoris): Abgleiten des Hüftkopfes, muss sofort operativ stabilsiert werden
  • Verwölbung von Hüftpfanne und -kopf (Protrusio acetabuli)
  • Hüftimpingement: Das Einklemmungssyndrom im Bereich der Hüfte ist sehr verbreitet. Da die Röntgenbilder keine Arthrose zeigen, bleibt es sehr oft unerkannt. Die Veränderungen im Bereich des Schenkelhalses bewirken ein Einklemmen im Bereich der Hüftpfanne vor allem bei Beugung und Innenrotation.Dadurch kommt es zu einer Zerstörung der knorpeligen Lippe der Pfanne und zur Ausbildung einer Arthrose. In vielen Fällen kann arthroskopisch geholfen werden. Dabei wird die normale Form des Kopfes und des Halses wiederhergestellt, damit es zu keiner Einklemmung mehr kommen kann.

Bilder

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